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Neue Wörter 03: Mit Wörtern reden

Gerade mit dem Chemiebaukasten der deutschen Sprache können wir fast unbegrenzt Wörter zusammensetzten und reagieren lassen. Was dabei so ausflocken oder hochgehen kann, sieht man unter anderem an den Wörtern und Unwörtern des Jahres. 2007 waren das „Klimakatastrophe, die“ und „Herdprämie, die“. Welches von denen Wort und welches Unwort ist, könnt ihr euch selbst aussuchen.

Auf jeden ist es gut, wenn jemand Ausschau hält nach Neuem. Und das macht nicht nur die Gesellschaft für deutsche Sprache, sondern auch das tolle sprachwissenschaftliche Projekt Wortwarte. Für den 07.02.2008 haben sie unter anderem „Adoptivsprache, die“ oder „Handyverbrennung, die“ ausgeguckt. Da macht es auch nix, dass deren Seite verdammt typisch nach Uniserver aussieht.

Wir wollen sagen: (Neue) Wörter brauchen Aufmerksamkeit. Sie wollen gefragt werden, was sie meinen, wie sie zu verstehen sind und was sie verdecken. Das Wort „Worthülse“ z.B. fragt Wörter so etwas. Gerade Politiker sind die besten Freunde von Worthülsen. Also bitte redet mit den Wörtern.

Das Bild hier links ist von ninaaa. Bei der Suche nach passenden Bildern über Wörter sind uns aber auch andere Wortfotografen aufgefallen, z.B. r000pert.

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Berliner Gazette: Kommentare überall

Das Bild führt (wie so oft Bilder) in die Irre. Kommentare sind ganz toll und überall (hier vielleicht nicht). Erklären durften wir das in der Berliner Gazette.

Bild von Laughing Squid.

Unicode: Alles ist viel Quatsch

Seit dem wir das hier vor einiger Zeit gelesen haben, sind wir bin ich ein Fan des Unicode. Es gibt ja auch die passende Seite dafür. Funktional und schön. Design und Typographie halt. Außerdem ist die Idee einfach super „für jedes sinntragende Zeichen bzw. Textelement aller bekannten Schriftkulturen und Zeichensysteme“ einen digitaler Code festlegen zu wollen. Ein bisschen größenwahnsinnig, aber super. Die De:bug wollte seit dem in jeder Ausgabe eines der (zurzeit) 99.089 genauer vorstellen. Leider hat sie das nicht lange gemacht. Wir wollen das fortsetzten (oder es zumindest genauso ankündigen und dann weiter sehen).

U+2586

Wir steigen ein mit einem ziemlichem Scheiß. Das sagt auch die „open science database“ bzw. Unicode-Fanside Decodeunicode.org. „Lower Three Quaters Block“ heißt das gute Stück Zeichen. Seine Freunde nennen es „U+2586“. Der Kommentar bei decodeunicode zu allen „Block Elements“ (die Familie unseres heutigen Lieblings) lautet dann auch: „One of Unicode’s goals is to provide round trip encoding to and from all existing character set standards. To do this, it must encode some pretty silly stuff.“ Wie richtig. Wer die Welt digitalisieren wollte, hätte es mit einem ganzen Haufen Quatsch zu tun.

Quaristice Review: Autechre ist verliebt

Die Autechre-Musikmaschine ist wieder angesprungen (wir haben hier und hier berichtet). Und was ist da los? Ein so schöner und überraschender Anfang. Das Programm von Untilted wird heiter weiter geschrieben und Quaristice ist leichter geworden als seine Vorgänger: Die Beats sind eindeutiger und kopfnickbarer, es gibt reine Ambient-Nummern und die durchschnittliche Länge der Tracks ist auf pop-übliche 3-4 Minuten geschrumpft. Dafür gibts gleich 20 Stück. Da hat doch jemand gespielt. Wir werden ein bisschen an früher erinnert und finden das spitze, nicht weil Zugänglichkeit hier ein wichtiger Maßstab wäre, sondern weil es auch so nicht an Überforderung und Experiment fehlt. Oder anders: Vielleicht ist genau das das Experiment, nämlich nicht bis ins letzte versylte 8 Minuten Monolithen zu schaffen, sondern kleinere, leichtere und kompaktere Abenteuer rauszuhauen, die beeindrucken und Ärsche bewegen.

Und Abenteuer bleiben es: 3 Minuten sind für Autechre genug Zeit, um Monster zu programmieren, die Ihresgleichen suchen. Manche Sounds sind so dunkel und mächtig, dass wir glauben müssen, Autechre haben im Keller ihrer Landhäuser ein, zwei riesige Doomsday Devices stehen, die beim Anwerfen genau so klingen. Wenn die beiden Rocker auf minimale Break-Versuche nochmal und nochmal eine schleifende Snare oder Fläche legen, ihre großen Melodien drüber kippen und wir es schaffen uns das als Einheit einzubilden, dann ist die Doomsday Device schon explodiert und die Welt kann getrost untergehen. Damit danach alles wunderschön von vorn beginnen kann.

Quaristice: Jetzt als file

Entschuldigt haben wir uns ja schon. Aber: Seit heute gibts bei bleep die neue Autechre Quaristice als mp3 und flac. Schon mal ein, zwei Juhus wert. Ausserdem bietet der Warpmart die Möglichkeit einer Vorbestellung von CD und Vinyl, und einer special edition CD, die auf 1000 Exemplare limitiert ist. Auf letzter finden sich 11 Versionen von bestimmten Tracks des Albums, alle auch produziert von Autechre bzw. deren Maschinen. Verpackt ist das Special in „a Designers Republic styled, photo-etched, 0.4mm steel slipcase with foil blocked inner gatefold wallet“. Great! Haben wir bestellt. Hoffentlich wird es was. Auch schön, wenn man noch kindlich-weihnachtlich aufgeregt sein kann.

StudiVZ: Reibung erzeugt Wärme

Das StudiVZ erwartet ja Ende März Konkurrenz vom deutschen Ableger von Facebook. Darauf muss reagiert werden, zumindest mal mit Ankündigungen. Die macht Marcus Riecke jetzt auch in einem FAZ-Interview. Interessant scheint uns:

Es gab immer wieder Gerüchte um ein weiteres Netzwerk. Stimmen die? Ja. Wir werden unmittelbar nach dem Übergang auf die neue Softwarearchitektur unsere VZ-Markenfamilie in dem Segment oberhalb von StudiVZ erweitern. Die neue Marke richtet sich an alle Freunde unserer StudiVZ-Nutzer, die nicht mehr studieren oder gar nicht studiert haben.                     

Hätten wir uns ja denken können, dass sich das SVZ allen öffnen will. Was da wohl – außer kostbarer Uservermehrung – der letzte Auslöser war?

Hängen diese Planungen nicht zufällig mit dem Facebook-Start in Deutschland zusammen? Das hat mit Facebook gar nichts zu tun. Das sind unsere eigenen Planungen.                     

Ausserdem: auch als Zeichen einer allgemeineren Entwicklung, eine angekündigte Öffnung für externe Entwickler und ein möglicher (!) Beitritt zu Open Social. Das läuft doch gut, denken wir, für die, die Bock drauf haben. Lässt sich auch zusammenfassen unter „Öffnung“ (open ist als Trend schon identifiziert). Uns würde noch interessieren, wie die ganze AGB-Änderungs-Geschichte so allgemein auf das SVZ gewirkt hat.

Bild von kk+ 

[Nachtrag] Natürlich gibt es auch einen Artikel bei Heise dazu.

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