Archive for the 'datenschutz' Category

Neue Wörter: Neuer Name für neues Recht

floppy

Aus dem Debug-Waldt ruft es nach einem Namen für unser aller neustes und liebstes Kind, dem süßen, kleinen „Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme„. Und weil der Name eben gar nicht so süß klingt, wie er sollte, muss ein neuer her. Weniger Hubert, mehr Amélie.

Der große Bruder des Neugeborenen (sie haben ja zumindest einen gemeinsamen Elter) hört auf den Namen „Recht auf informationelle Selbstbestimmung„, was wir einigermaßen griffig finden. Mit dem neuen Kind ist jetzt wohl eher sowas wie der Schutz vor Computer- oder Datenfriedensbruch gemeint. Es geht um die Unverletzlichkeit privater Datensysteme, um einen Schutz vor „heimlicher Infiltration eines informationstechnischen Systems„. Also: Recht auf Datenfrieden? Naja, vielleicht…

Bild von RaeA.

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Schäuble dekonstruiert sich

 Folgendes Zitat von Schäuble steht so ähnlich auch als Titel über dem Interview bei Telepolis mit ihm. Im Interviewtext selbst lautet es so:

Denn aus den von mir dargestellten Erwägungen heraus wird es nie zur „uneingeschränkten“ Anwendung freiheitsbeschränkter Maßnahmen kommen   

Er sagt also, freiheitsbeschränkende Maßnahmen würden nie frei sein. Also doch für die Unfreiheit? Hoffentlich kommt der Schäuble nicht noch mehr auf die Idee, Paradoxien für sich rhetorisch zu nutzen, wobei das hier wohl eher ne unfreiwillige Stilblüte zu sein scheint. Letztendlich stimm ich aber jetzt auch mit ein in die Tradition vor Innenministern zu warnen: Vorsicht vor dem Schäuble Wolfgang!

Bild von gruenebremen

Vergessen nicht vergessen

Neben der Forderung nach Informationsfreiheit, geht es in der Diskussion um die Entwicklung der Wolke genauso oft um Datenschutz. Wer darf/sollte was von mir wissen oder sehen. Wer darf was für Daten speichern und welche Daten sollte ich lieber nicht freiwillig auf die Community-Seiten meiner Wahl setzten. Viktor Mayer-Schönberger hat jetzt zum Auftakt der Ars Electronica angeregt, Daten mit einem Verfallsdatum zu versehen. Nicht das Erinnern solle der Normalfall sein, sondern das Vergessen. Erinnern wird dann zur Ausnahme.

Klingt ja erst mal unangenehm, wenn sich Daten selbst zerstören können, wenn sie von sich glauben zu alt zu sein oder sonst wie nicht mehr relevant. Das birgt die Gefahr noch stärker als jetzt die Neuheit von Daten für wichtiger zu halten, als deren Qualität (wie auch immer beurteilt). Alt ist nicht gleich schlecht. Ein Verfallsdatum ist also vielleicht einfach der falsche Begriff. Aber auch sonst ist es wirklich schwer über einen Algorithmus festzuhalten, was eintreffen muss, dass Daten ihre Relevanz verlieren. Oder ist Relevanz und Qualität gar nicht ausschlaggebend? Die Tatsache, dass Daten – einmal „freigelassen“ nicht wieder „einzufangen“ sind, dürfen wir hier auch nicht vergessen.
Theoretisch ist die Idee insofern passend, als das menschliches und soziales Gedächtnis wohl auch lieber Vergessen als Erinnern. Und das um sich vor einem Klebenbleiben an der Vergangenheit zu schützen. Erinnern ist dort die Ausnahme. So zumindest beschreibt das die Systemtheorie (in diesem Artikel von Niklas Luhmann). Also sehr theoretisch, aber die Äquivalenz zum obigen Vorschlag ist wirklich verheerend. Vielleicht braucht die Wolke über kurz oder lang eine Funktion, die ihr mehr noch als heute das Vergessen ermöglicht und es sogar zum Standart macht. Ich will ja nicht entscheiden, wie das geregelt werden könnte.
via Heise