Etikettenschwindel

ZDF-Mediathek“ klingt zwar nicht so cool, vielleicht aber besser als „zedfr beta“. Hätte ja passieren können. Sie funktioniert auf jeden Fall wirklich gut. Da hab ich das Nachtstudio vom 06.11.2006 gesehen. Dazu kann man erst mal sagen, dass das ZDF Nachtstudio nicht so richtig geil ist, aber wenn man fernsehförmige Theorie will, geht das. Beim Schauen ist mir dann eingefallen, dass ich gestern schon mal einen Logbucheintrag der Berliner Gazette kommentieren wollte, es aber nicht getan habe. Da stand nämlich:

Überhaupt mache ich die Erfahrung, dass, wenn man beispielsweise den Adorno zur Theoretisierung der praktischen Welt heranzieht, dies von der angesprochenen Seite als „alte 68er“-Sache abgetan wird. Die Welt sei nun mal heute anders. Nicht wahr. Und all das gildet eben nicht mehr. Sagt man dann aber sowas wie Derrida oder Luhmann, Bourdieu oder Habermas, dann wird man ernst genommen. Denn die sind ja noch halbwegs aktuell. Die Kraft des Arguments steigt mit dem Label.

Zuerst muss ich Recht geben: Natürlich haben Theorienamen oft die Wirkung, dass sie Gesagtem Autorität verleihen. Außerdem freut es mich immer, wenn jemand Spaß findet an Luhmanns scheinbarer Trivialität. Aber – und dem Autor geht es ja genauso mit Adorno – die Theorienamensnennung kann auch nach hinten losgehen. Und jetzt kommt der Zusammenhang mit der Nachtstudiosendung. Zu Gast waren Julian Nida-Rümelin, Eugen Drewermann, Josef H. Reichholf und Dirk Baecker. Letzterer ist soziologischer Systemtheoretiker in der Tradition Niklas Luhmanns. Man muss nichts über Systemtheorie wissen, um vermuten zu können, dass „System“ eine zentrale Kategorie in dieser Theorie ist. Alle in der Runde haben den Systembegriff verwendet, ich meine sogar der esoterische Drewermann, und warum auch nicht. Der einzige aber bei dem ich mich nicht erinnern kann, dass er „System“ gesagt hat, war Dirk Baecker.

Ich kenne das auch so, nämlich dass ich versuche, eine systemtheoretische Herleitung oder Begründung ein wenig zu verschleiern, indem ich eine andere Sprache benutze. Baecker sagt dann z.B. „Religions-…zusammenhang“, statt Religionssystem. Es ehrt ihn im Übrigen ja, dass er versucht die Theorie verständlicher zu präsentieren. Aber es scheint auch so, dass man auch mal das Label einer Argumentation verdecken will, um die Anschlussfähigkeit von Argumenten zu steigern.

Bild von abominable_eagle

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