Archiv der Kategorie 'wolke'

Neue Wörter: Neuer Name für neues Recht

floppy

Aus dem Debug-Waldt ruft es nach einem Namen für unser aller neustes und liebstes Kind, dem süßen, kleinen „Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme„. Und weil der Name eben gar nicht so süß klingt, wie er sollte, muss ein neuer her. Weniger Hubert, mehr Amélie.

Der große Bruder des Neugeborenen (sie haben ja zumindest einen gemeinsamen Elter) hört auf den Namen „Recht auf informationelle Selbstbestimmung„, was wir einigermaßen griffig finden. Mit dem neuen Kind ist jetzt wohl eher sowas wie der Schutz vor Computer- oder Datenfriedensbruch gemeint. Es geht um die Unverletzlichkeit privater Datensysteme, um einen Schutz vor „heimlicher Infiltration eines informationstechnischen Systems„. Also: Recht auf Datenfrieden? Naja, vielleicht…

Bild von RaeA.

Eine neue Zukunft: Brockhaus nur noch online

Enzyklopädie von Magnus.

Manchmal kann man die neue Zukunft stärker spüren als sonst: Die Brockhaus Enzyklopädie wird es ab Mai online geben, und wohl nur noch online. Warum ist ja irgendwie klar. Auch wir erklären „Brockhaus Enzyklopädie„ hier über einen Wiki-Link. Sicher ist die Wikipedia nicht immer besser, genauer oder wahrer, aber z.B. schon mal schneller; sie weiß nämlich schon, was wir hier schreiben. Ob die Brockhaus Enzyklopädie einen Artikel über sich selbst enthält? Wenn ja, steht da sicher nicht, dass sie verschwinden wird. Schon wieder eine neue Zukunft also, und wie so oft begleitet von Freude und Trauer.

Via Deutsche Welle oder Literatur-Cafe. Bild von Magnus.

Berliner Gazette: Kommentare überall

Das Bild führt (wie so oft Bilder) in die Irre. Kommentare sind ganz toll und überall (hier vielleicht nicht). Erklären durften wir das in der Berliner Gazette.

Bild von Laughing Squid.

Unicode: Alles ist viel Quatsch

Seit dem wir das hier vor einiger Zeit gelesen haben, sind wir bin ich ein Fan des Unicode. Es gibt ja auch die passende Seite dafür. Funktional und schön. Design und Typographie halt. Außerdem ist die Idee einfach super „für jedes sinntragende Zeichen bzw. Textelement aller bekannten Schriftkulturen und Zeichensysteme“ einen digitaler Code festlegen zu wollen. Ein bisschen größenwahnsinnig, aber super. Die De:bug wollte seit dem in jeder Ausgabe eines der (zurzeit) 99.089 genauer vorstellen. Leider hat sie das nicht lange gemacht. Wir wollen das fortsetzten (oder es zumindest genauso ankündigen und dann weiter sehen).

U+2586

Wir steigen ein mit einem ziemlichem Scheiß. Das sagt auch die „open science database“ bzw. Unicode-Fanside Decodeunicode.org. „Lower Three Quaters Block“ heißt das gute Stück Zeichen. Seine Freunde nennen es „U+2586″. Der Kommentar bei decodeunicode zu allen „Block Elements“ (die Familie unseres heutigen Lieblings) lautet dann auch: „One of Unicode’s goals is to provide round trip encoding to and from all existing character set standards. To do this, it must encode some pretty silly stuff.“ Wie richtig. Wer die Welt digitalisieren wollte, hätte es mit einem ganzen Haufen Quatsch zu tun.

StudiVZ: Reibung erzeugt Wärme

Das StudiVZ erwartet ja Ende März Konkurrenz vom deutschen Ableger von Facebook. Darauf muss reagiert werden, zumindest mal mit Ankündigungen. Die macht Marcus Riecke jetzt auch in einem FAZ-Interview. Interessant scheint uns:

Es gab immer wieder Gerüchte um ein weiteres Netzwerk. Stimmen die? Ja. Wir werden unmittelbar nach dem Übergang auf die neue Softwarearchitektur unsere VZ-Markenfamilie in dem Segment oberhalb von StudiVZ erweitern. Die neue Marke richtet sich an alle Freunde unserer StudiVZ-Nutzer, die nicht mehr studieren oder gar nicht studiert haben.                     

Hätten wir uns ja denken können, dass sich das SVZ allen öffnen will. Was da wohl – außer kostbarer Uservermehrung – der letzte Auslöser war?

Hängen diese Planungen nicht zufällig mit dem Facebook-Start in Deutschland zusammen? Das hat mit Facebook gar nichts zu tun. Das sind unsere eigenen Planungen.                     

Ausserdem: auch als Zeichen einer allgemeineren Entwicklung, eine angekündigte Öffnung für externe Entwickler und ein möglicher (!) Beitritt zu Open Social. Das läuft doch gut, denken wir, für die, die Bock drauf haben. Lässt sich auch zusammenfassen unter „Öffnung“ (open ist als Trend schon identifiziert). Uns würde noch interessieren, wie die ganze AGB-Änderungs-Geschichte so allgemein auf das SVZ gewirkt hat.

Bild von kk+ 

[Nachtrag] Natürlich gibt es auch einen Artikel bei Heise dazu.

Ein Jahreswechsel-Posting

 

So sieht mein Jahresrückblick für die Berliner Gazette aus. Hoffentlich gilt das, was ich mir dort vom Bloglesen und Blogschreiben gewünscht habe, auch für das Lesen und Schreiben eben des Beitrags. Dann könnte ich nämlich „autologisch“ schreiben; und wäre das nicht total toll? klugscheißermässig? Wahrscheinlich! Auf jeden Fall sind da auch ein paar rückblendige Listen, die mein Jahr 2007 endgültig, vollkommen und abschließend in die Vergangenheit rein-definieren. Dann ist ja alles geklärt und die neue Zukunft kann anfangen.

Das Bild einer Tagebuchschreiberin ist von José Miguel Serrano. Die Bildunterschrift: „I think she is in love…!“.

Schäuble dekonstruiert sich

 Folgendes Zitat von Schäuble steht so ähnlich auch als Titel über dem Interview bei Telepolis mit ihm. Im Interviewtext selbst lautet es so:

Denn aus den von mir dargestellten Erwägungen heraus wird es nie zur „uneingeschränkten“ Anwendung freiheitsbeschränkter Maßnahmen kommen   

Er sagt also, freiheitsbeschränkende Maßnahmen würden nie frei sein. Also doch für die Unfreiheit? Hoffentlich kommt der Schäuble nicht noch mehr auf die Idee, Paradoxien für sich rhetorisch zu nutzen, wobei das hier wohl eher ne unfreiwillige Stilblüte zu sein scheint. Letztendlich stimm ich aber jetzt auch mit ein in die Tradition vor Innenministern zu warnen: Vorsicht vor dem Schäuble Wolfgang!

Bild von gruenebremen

Vergessen nicht vergessen

Neben der Forderung nach Informationsfreiheit, geht es in der Diskussion um die Entwicklung der Wolke genauso oft um Datenschutz. Wer darf/sollte was von mir wissen oder sehen. Wer darf was für Daten speichern und welche Daten sollte ich lieber nicht freiwillig auf die Community-Seiten meiner Wahl setzten. Viktor Mayer-Schönberger hat jetzt zum Auftakt der Ars Electronica angeregt, Daten mit einem Verfallsdatum zu versehen. Nicht das Erinnern solle der Normalfall sein, sondern das Vergessen. Erinnern wird dann zur Ausnahme.

Klingt ja erst mal unangenehm, wenn sich Daten selbst zerstören können, wenn sie von sich glauben zu alt zu sein oder sonst wie nicht mehr relevant. Das birgt die Gefahr noch stärker als jetzt die Neuheit von Daten für wichtiger zu halten, als deren Qualität (wie auch immer beurteilt). Alt ist nicht gleich schlecht. Ein Verfallsdatum ist also vielleicht einfach der falsche Begriff. Aber auch sonst ist es wirklich schwer über einen Algorithmus festzuhalten, was eintreffen muss, dass Daten ihre Relevanz verlieren. Oder ist Relevanz und Qualität gar nicht ausschlaggebend? Die Tatsache, dass Daten – einmal „freigelassen“ nicht wieder „einzufangen“ sind, dürfen wir hier auch nicht vergessen.
Theoretisch ist die Idee insofern passend, als das menschliches und soziales Gedächtnis wohl auch lieber Vergessen als Erinnern. Und das um sich vor einem Klebenbleiben an der Vergangenheit zu schützen. Erinnern ist dort die Ausnahme. So zumindest beschreibt das die Systemtheorie (in diesem Artikel von Niklas Luhmann). Also sehr theoretisch, aber die Äquivalenz zum obigen Vorschlag ist wirklich verheerend. Vielleicht braucht die Wolke über kurz oder lang eine Funktion, die ihr mehr noch als heute das Vergessen ermöglicht und es sogar zum Standart macht. Ich will ja nicht entscheiden, wie das geregelt werden könnte.
via Heise

Bilder gegen die Zensur

Informationsfreiheit und Datenschutz. Das ist die Differenz der Wolke, würden wir sagen. Hier gehts jetzt um die eine Seite, die Informationsfreiheit:
Obwohl gerne vergessen wird, dass auch in Europa Seiten ausgesperrt sind (das das dann auch meistens Schund ist, lassen wir jetzt mal beiseite), gilt ja China als informationsmässig besonders eingemauert. Zurecht, wenn dabei Teile der chinesischen Geschichte dem Doppeldenk oder Vergessen überlassen werden sollen. Auch dem (sich selbst so benannten) „Kunstprojekt“ Picidae ist aufgefallen, dass so einige Dinge in der Wolke nicht zu finden sind, obwohl sie eigentlich da sein sollten („sollten“ erst mal nicht im Sinne von „es wäre besser“, sondern im Sinne von „es wäre anzunehmen“).

Warum gibt es keine einzige Webseite aus Nord Korea? Keine Internetseiten zum Tiananmen-Massaker aus China? Keine rechtsradikalen Parolen aus Deutschland, keine Pin-Up’s aus dem Iran, keine Islamkritik aus Saudi Arabien, kein Demonstrationsaufruf aus Syrien?

Die blendende Idee von Christoph Wachter und Mathias Jud von Picidea war nun über eine eigene Serverstruktur regional geblockte Links und deren Seiten in Bilddateien umzuwandeln und so um bestimmte Filtertechniken herum zu schleusen. Dabei funktionieren die Seiten immer noch ganz normal (so weit von mir getestet), also auch die Links und Formularfelder.
Ich weiß ja nicht, wie schwer das jetzt für die chinesischen oder sonst welche beamteten Hacker ist, die Technik zu umgehen, aber wenn das funktioniert ist Picidea nicht nur ein Kunstprojekt, sondern auch ne toll einfache und praktische Idee um das Internet am fließen zu halten. Und man kann sogar noch ganz leicht mitmachen, wenn man Serverkapazitäten über hat…

via Heise

Hyrule öffnet eigenes MySpace

Ich hab MySpace bis heute ja nicht so recht verstanden. Die Seiten sind auch immer so hässlich. Klar für angehende Musiker ganz toll. Kann man einfach und billig seinen Scheiß zeigen (wie in nem Blog!). Aber Schluss damit. Der Erfolg gibt dem Konzept auch Recht.

Richtig toll find ich Hyspace, (und jetzt wird’s nerdig!) eine Freundes- und Communityseite für Figuren aus den diversen Zelda-Spielen. „Für Fans der Reihe“ (Videospielzeitschriftenrhetorik) wirklich ein Nostalgiefeuerwerk. Ich hoffe jetzt nur, dass sie das noch erweitern, dann hat die Seite das Zeug zu ner richtigen Art Zelda-Wiki oder nem Zeldaarchiv. Wer’s braucht? Niemand! Wer’s will? Tausende, die ihre Kindheit mit Prinzessinnenretten (Link und Mario) verspielt haben. (Zumindest ich.)